unser Versicherer Versicherung Marcus Sill e.K. Bochum - Taschenrechner und Baupläne auf einem Tisch – Berechnung der Gebäudeversicherung

Goldmark, Baupreisindex, gleitender Neuwertfaktor: Kaum ein Versicherungsthema klingt sperriger als die Berechnung der Gebäudeversicherung. Dabei lohnt sich das Verständnis – denn wer weiß, wie sein Vertrag rechnet, erkennt auch, wo Lücken entstehen können.

Was der Wert 1914 ist

Der Wert 1914 ist eine fiktive Rechengröße der Versicherungswirtschaft: der Gebäudewert im Jahr 1914, angegeben in Goldmark. Dieses Jahr dient als Referenz, weil die Baupreise damals langfristig stabil waren und die Währung durch Goldreserven gedeckt war. Seitdem hat die Inflation die Baukosten vervielfacht – der Wert 1914 macht Versicherungssummen und Prämien über verschiedene Baujahre und Preisniveaus hinweg vergleichbar.

Wie das in der Praxis funktioniert

Aus dem Wert 1914 werden Versicherungssumme und Prämie abgeleitet. Damit die Summe dem heutigen Kostenniveau entspricht, berücksichtigen Versicherer aktuelle Baupreise und Löhne über sogenannte Anpassungsfaktoren. So bleibt der reale Schutz erhalten, auch wenn sich die Baukosten über die Jahre erheblich verändern.

Gleitende Neuwertversicherung: der eingebaute Inflationsschutz

Bei der gleitenden Neuwertversicherung werden Versicherungssumme und Prämie jährlich an die Preisentwicklung angepasst. Das Ziel: Ihr Gebäude wird im Schadenfall so entschädigt, wie es vor dem Schaden beschaffen war – selbst wenn die Wiederherstellung durch gestiegene Material- und Lohnkosten teurer ist als der ursprüngliche Bau. Ein vor 15 Jahren errichtetes Gebäude, das heute einem Brand zum Opfer fällt, kostet im Wiederaufbau deutlich mehr als damals. Die gleitende Neuwertversicherung schließt diese Lücke – im Wert-1914-Modell ebenso wie im Wohnflächenmodell.

Baupreisindex und Anpassungsfaktor

Der Baupreisindex ist ein offizieller Indikator des Statistischen Bundesamtes und wird jährlich veröffentlicht. Er erfasst die Kosten für Neubauten und Instandhaltung und bildet die Grundlage für die jährliche Anpassung von Versicherungssummen und Beiträgen.

Der Anpassungsfaktor – auch „gleitender Neuwertfaktor“ oder „Prämienfaktor“ – wird vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jährlich neu festgelegt. In seine Berechnung fließen ein:

  • zu 80 Prozent der aktuelle Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes
  • zu 20 Prozent der aktuelle Tariflohnindex für das Baugewerbe

Die Alternative: das Wohnflächenmodell

Unser Versicherer nutzt in der privaten Wohngebäudeversicherung nicht den Wert 1914, sondern das Wohnflächenmodell. Die Prämie wird auf Basis der Quadratmeterzahl der Wohn- oder Nutzfläche sowie der Gebäudeausstattung ermittelt. Das Gebäude wird im Vertrag detailliert beschrieben – inklusive Wohn- und Nutzfläche, Ausstattungsstandard, Dach und Keller.

Die Vorteile gegenüber dem Wert 1914:

  1. Weniger Fehlerquellen bei der Antragstellung, da keine aufwändige Summenermittlung nötig ist
  2. Einfachere, transparentere Handhabung für Eigentümer und Berater
  3. Vollständige, bedarfsgerechte Erfassung des Gebäudes
  4. Auch hier greift die gleitende Neuwertversicherung als automatischer Inflationsschutz

Wichtig trotz des vereinfachten Verfahrens: Wertsteigernde Umbauten oder Erweiterungen müssen dem Versicherer gemeldet werden – sonst droht auch im Wohnflächenmodell eine Unterversicherung.

Worauf es am Ende ankommt

Ob Wert 1914 oder Wohnflächenmodell: Beide Systeme sind nur so gut wie die zugrunde liegenden Angaben. Gerade im Ruhrgebiet, wo viele Gebäude in den letzten Jahrzehnten umfassend saniert oder umgebaut wurden, ist die regelmäßige Überprüfung der Versicherungsbasis unverzichtbar. Achten Sie darauf, dass Ihr Vertrag die aktuellen Gegebenheiten widerspiegelt – wir prüfen das gern mit Ihnen, verständlich und ohne Fachchinesisch.

Fachbeiträge zu Wohngebäude-, Gewerbe- und Vorsorgeversicherungen veröffentliche ich regelmäßig auf LinkedIn.

Lassen Sie uns über Ihre Risiken sprechen

In einem ersten Gespräch prüfe ich, wo Handlungsbedarf besteht und wie ich Sie sinnvoll unterstützen kann – persönlich in Bochum, telefonisch oder per Videoberatung.

Marcus Sill
Marcus SillInhaber der Versicherungsagentur Sill (Marcus Sill e.K.), Versicherungsfachwirt (IHK), seit 2007 selbstständig. TÜV-zertifizierte Fachagentur für Firmenversicherungen, Bochum. Mehr über mich · LinkedIn